Der K. manifestiert sich in Sachen, Dingen, Gegenstände, Objekten und Artefakten, die aus falscher Sehnsucht heraus ent- und herumstehen.
Autor: Erik Schmid
//Kissenmenü
Das K. bestehet aus mehreren Kissen am Kopfende eines Bettes; zur Auswahl, variablen Drapage, Anordnung und Komposition, paradeartig gestaffelt, das ein quasi bildhauerisches Topping eines gemachten Bettes bildet. Nicht selten wird das K. zur Bewerbung von Hotelzimmern benutzt.
//Katastrofenlangeweile
Die K. ist auf dem Gipfel zivilisatorischer Wohlstandserfahrungen angesiedelt und gründet auf der überbordenden Information von Katastrofen in Medien, die keine echte Empfindung, Auseinandersetzung und Handlungsoption mehr erlauben im Umgang mit Erdbeben, Unwettern und Kriegen, so dass sich eine Abstumpfung einstellt, die im günstigsten Fall als //Langeweile zutage tritt.
//Kastenlinde
Die K. ist eine in Kastenform geschnittene Linde, zur geometrischen Ausrichtung und Gestaltung eines größeren, vor allem barocken, Gartenzusammenhangs wie zum Beispiel dem Schwetzinger Schloßpark, wo im Frühjahr die Kastenlinden von einer Art Baumfriseuren in Form gebracht werden.
//Kassenschlange
Die K. ist eine unerschöpfliche Quelle menschlicher Abgründe, in der sich Lebensgewohnheiten und Vorlieben in Einkaufswagen und auf Förderbändern studieren lassen, außerdem Territorialanspruchsgebärden, Ungeduld, Eile, Freundlichkeit, Verhaltensdefizite, Gier, Armut, Hilflosigkeit, Suchtprofile … . Kurzum, die K. ist keine schöne, aber erkenntnis- und ereignisreiche, worin sie sich jedoch vorzüglich tarnt.
//Kapitalistenfabrik
Synonym für Schule.
//Jungfernguss
Der J. ist der erste Guss, den ein Keramiker herstellt, bevor er ihn zur Brennreife bringt. Die nicht nur klangliche Ähnlichkeit von J. zu Jungfernkuss erkennt man daran, dass Keramiker beim Betrachten eines gelungenen J.es glänzende Augen haben können.
//Jungdamenreisegruppe
Die J. ist eine sich in Hotels, Zügen, Flugzeugen, Bahnhöfen, Bussen und Flughäfen nonstop verbal lautstark selbst bestätigende Gruppe junger Frauen, die sich, aus dem Bedürfnis heraus, sich selbst gefallen zu können, selbstredend in //Affirmationsgesprächen bei schlechtem Sekt aus Plastikflöten, so genannten „Drehküsschen“, Industriekäsewürfeln u.a. ergeht und dabei komplett ihre evolutionsbedingten Vorzüge riskiert. Im Grunde ein geschlechtlicher Gegenentwurf zur //Jungbullenreisegruppe und wie diese stark duldungsbedürftig.
//Jungbullenreisegruppe
Die J. ist optisch leicht an den beschrifteten Trikots zu erkennen, auf denen, oft über den Bauch gespannte, Sätze wie Bier macht sexy oder Namen von meist kleineren Ballsport- oder größeren Stammtischgemeinden zu lesen sind. Ein typischer Teilnehmer der J. hält in der einen Hand eine Bierdose oder –flasche und zieht in der anderen ein Rollköfferchen mit Nachschub (sic!) hinter sich. Akustisch ist die Gruppe am spezifischen, sehr selbst- und umlautstarken (Durcheinander-) Gröhlen von Interjektiven zu erkennen. Gelegentliche choristische Ansätze mit ganzen Wörtern und halben Sätzen versacken wegen mangelhafter Koordination nicht selten rasch; der Gröhlomat schlägt nur kurz aber heftig aus. Auf der nach oben offenen Skala eines Prolometers erreicht die J. dauerhaft Spitzenwerte. Unbedingt vermeiden sollte man eine Bahnfahrt mit einer J.!
//Jenseitsflackern
Das J. ist ein Hin- und Herflackern zwischen dem Diesseits und Jenseits und gibt eine Vorahnung davon, dass Sterben eine sehr banale Angelegenheit ist.